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Betrachtungen zum "Budo" |
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von Teruo Kono Kleines Vorwort In dem folgenden Beitrag wird der Begriff Budo in Beziehung zum Karate dargestellt. Auf die Entstehung des Begriffs eingegangen, sein Wandel durch politische Veränderungen sowie persönliche Erfahrungen des Autors und der persönliche Umgang mit dem Begriff angesprochen.
Der Weg vom Kämpfen zur Idee des Budo Entsprechend der Evolutionstheorie hat sich der Mensch ebenso wie andere Lebewesen entwickelt. Daher gibt es stammesgeschichtlich betrachtet Parallelen im Verhalten, die jedoch im Laufe der Entwicklung unterschiedliche Ausprägungen annahmen. Allen Lebewesen gemeinsam ist z.B. die Fähigkeit, Bewegung, die dem Überleben dienen, gezielt einzusetzen. Im Tierreich kommen ausserdem Gifte, besonders scharfe Sinnesorgane, Krallen, Zähne, Hörner und vieles mehr vor. Dabei hat jedes Tier entsprechend seinen Möglichkeiten eigene Kampfmethoden entwickelt. Einige von ihnen sind ganz besonders ausgeprägt, wie z.B. beim jap. Kampfhund Tosaken, dessen Ringkampf an das Niramiai (konzentriertes Abwarten) beim Judokampf erinnert. Auch die Menschen verfügen über Verteidigungsmöglichkeiten, bedingte und unbedingte Reflexe sowie angelernte Bewegungsformen. Zu den Reflexen gehören z.B. der Lidschlag und Abwehrbewegungen wie das Hochreisen der Arme, Wegducken u.ä. Die angelernten Verteidigungsmöglichkeiten sind an die unterschiedlichsten geographischen, klimatischen und ethnischen Bedingungen angepasst. Da der Mensch keine waffenähnlichen Ausprägungen am Körper besitzt, brauchte er angelernte Techiken im Überlebenskampf. Diese Fähigkeiten wurden auch zur Bildung von Gruppenhierarchien benutzt (z.B. der Stärkste ist der Anführer). Als der Mensch lernte, Stöcke und Steine als Werkzeug zu benutzen, wurde diese auch als Waffen für das Kämpfen innerhalb der Gruppe eingesetzt. Die Entwicklung der menschlichen Intelligenz und die Veränderungen im Sozialgefüge beeinflussten die Kampfmittel. So entstanden die Schleuder, Pfeil und Bogen, Schwert, Speer und vieles mehr. Die ständige Weiterentwicklung der Waffen gipfelte in unserem Zeitalter in der Herstellung von Gewehren, Raketen und schliesslich der Atombombe. Dies scheint eine logische Entwicklung zu sein, denn trotz idealistischer Philosophien und Denkmodellen von Gesellschaftssystemen ist es nicht gelungen, Habgier und Machtbesessenheit zu eliminieren. Die Religionen sollten eigentlich diesen negativen Verhaltensweisen entgegenwirken, aber dies ist ihnen bisher offensichtlich nicht gelungen. Sonst hätten die Menschen bis heute nicht immer wieder Kriege geführt. So läuft der Mensch auch heute noch, trotz der Entwicklung seiner Intelligenz, Gefahr, sich am Ende selbst zu zerstören. Neben der Entwicklung von Waffen verfeinerten sich auch die Kampfmethoden ohne technische Hilfsmittel, z.B. Boxen, Ringkampf, Ju Jutsu, Karate und ähnliche "natürliche" Kampfarten, die in Japan unter dem Sammelbegriff Budo zusammengefasst wurden. Dies wird heute üblicherweise übersetzt mit Kampfsportarten. Budo bedeutet Weg (Do) zum Kriegertum (BU). Das Schriftzeichen BU besteht aus zwei Teilen. Ein Teil gedeutet Waffen, Kampf, Schlacht, der andere Teil frei übersetzt Verhindern. Ursprünglich bedeutete Budo daher, Krieg zu verhindern und Frieden zu wahren. Damit ist das Ideal des Budo gemeint, das sich jedoch dem jeweiligen Zeitgeist anpasste. Der Einfluss politischer
Strömungen auf Budo Bujitsu ( Schriftzeichen)
Nach Beendigung dieser Kriege wurde die Gesellschaft neu und straff organisiert, um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern. Nun wurde Treue zum obersten Landesherrn, Opferbereitschaft und bedingungslose Unterwerfung unter den Herrn und seine Anordnungen als Tugenden angesehen. Budo trug auf diese Weise dazu bei, die Kampfbereitschaft zu erhalten, aber sie nur für bestimmte, von Feudalherrn festgelegte Ziele einzusetzen.
Von der Mitte der Tokugawa-Zeit an verbreitete sich in Japan der Konfuzianismus, der nicht nur die herrschende Klasse, sondern ebenso die anderen Sozialschichten wie Bauern, Handwerker und Kaufleute beeinflusste und sich auch im Budo-Verhalten niederschlug. Über diesen Ehrenkodex erhielt der Budo allmählich seine ursprüngliche Bedeutung zurück. Nicht mehr das Töten des Gegners, sondern den Frieden zu erhalten, war wieder allgemein oberstes Ziel. Durch die gesellschaftliche Kontinuität in der über 260 Jahren andauernden Tokugawa-Zeit, der Meiji-und der Teisho-Ära überlebte auch das Budo-Ideal.
In die dann folgende Showa-Ära fiel der zweite Weltkrieg, den Japan verlor. Diese kurze Zeit prägte auch die Kampfkünste in besonderer Weise, da der Begriff Budo leider ausschliesslich im Sinne von Kampfgeist angewendet wurde. Danach entstand ein demokratischer Staat, der zum lang ersehnten Frieden führte. Damit ist auch heute in einer Friedenszeit das alte Budoideal wieder populär, d.h. durch das Wissen um die eigenen Fähigkeiten ist es nicht mehr notwendig, Konflikte durch einen Kampf zu lösen.
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